Archive for August 2011

Attraktive Gemeinde sucht… Teil 2

Man hat sich also dafür entschieden, den/die neue/n Gemeindeverwalter/in von einem externen „Headhunter“-Büro suchen zu lassen. Für wichtige Positionen und weniger erfahrene Personalabteilungen ist dies sicher ein gangbarer Weg, auch wenn solche „Executive Search-Agenturen“ rund einen Drittel des Jahresgehalts des zukünftigen Stelleninhabers kosten. Das zahlt natürlich nicht der Stelleninhaber, sondern die Gemeinde zusätzlich. Und so hoffen wir, dass die „MPB Executive Search“ unserer Gemeinde eine Person empfehlen kann, die es auch längerfristig auf dem neuen Leiterposten aushält.

Der MPB-Slogan

Das verstehen wir unter erfolgreichem Executive Search: Internationales Recruitment auf höchstem Niveau durch erfahrene Headhunter.

zeigt, dass die Firma eigentlich mehr bietet, als unsere attraktive Gemeinde benötigt. So wurde die Stelle ja ganz normal ausgeschrieben. Ob trotzdem sogenannte „Direktansprachen“ durch Headhunter gemacht werden, wissen wir nicht. Aber auch so kann die Erfahrung der Firma von Vorteil sein.

Wir versuchen hier einmal aufzulisten, was laut MPB ihre Vorzüge sind:

  1. „Vom umfassenden Briefing über den professionellen Research und die kompetente Direktansprache führen wir die Suche und Evaluation über selektionierende Interviews zum erfolgreichen Abschluss. […] Zu unseren Aufgaben als unabhängige Headhunter gehört, Sie von allen Rekrutierungsaufgaben zu entlasten. Dank unserem professionellem Executive Search können Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren.“ Also lieber Gemeinderat: Weiter aufs Kerngeschäft konzentrieren!
  2. „Eine teure Fehlbesetzung, das wünscht sich niemand. Deshalb führen wir Assessments durch. Assessments, die ihren Namen – «to assess», englisch für «beobachten, beurteilen» – auch wirklich verdienen.“ Schade, gibt es diese Assessments nicht bei Politikern. So könnten wir teure Fehlbesetzungen vielleicht auch verhindern.
  3. „Team-Spirit. Auftraggebern versprechen wir, Mitarbeitende zu finden, die perfekt in ihr Team passen.“ In welches? Das politische oder das Verwaltungs-Team?
  4. „Unsere Aufgabe ist es, aktiv und engagiert in einem definierten Markt, lokal, national oder global, nach geeigneten Kandidaten zu suchen – und sie auch zu finden. Und weil wir so viel Erfolg damit haben, geben wir unseren Kunden gerne eine Erfolgsgarantie: In der Regel dauert ein Suchauftrag rund drei Monate von der Mandatserteilung bis zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrags. Doch unsere Garantie geht noch weiter: Jeder Auftraggeber erhält im Voraus, abgestimmt auf den Schwierigkeitsgrad der Rekrutierung, eine klar kalkulierte Offerte. Mit fixem Erfolgshonorar.“ Umfasst die Garantie nun, jemanden in drei Monaten zu finden oder ist der Erfolg auch von der Länge des Anstellungsverhältnisses abhängig? Das wäre interessant… Auf jeden Fall: Viel Erfolg!

Lichtung im Walde

Die Plakatflut der Landratswahl haben wir ja bereits überlebt und nun ist der Plakatwald für die Nationalratswahlen im Aufbau. Dessen Aufforstung hat ja bereits grössere Wellen geworfen, weil man bekanntlich einen Elsässer gesichtet hat, welcher Plakate für die „einzige Partei der Schweizer/innen“ anbringt. Die Weltoffenheit und Europafreundlichkeit der SP hingegen geht soweit, dass diese es von einer deutschen Firma machen lässt, was natürlich auch wieder für Gesprächs- und Schreibstoff sorgt.

Das Hauptproblem der grossformatigen Werbeoffensive ist jedoch ein anderes. Erkannt hat dies schon mal unser national bekannter Leserbrief-Schwitzer -Schreiber, denn im „Birsfälderli“ lesen wir:

In Birsfelden müssen unter anderem der Glacemann, die Gemüsefrau und seit neuestem auch der Bauer mit seinem Jeep und Anhänger für ihre Dienste bezahlen. Ich frage mich: Warum müssen eigentlich die Politiker nicht für ihre Wahlplakate auf öffentlichem Grund bezahlen?

Der Einwand ist berechtigt, denn offenbar ist es wirklich zu günstig, die ganze Landschaft voll zu pflastern. Laut „BaZ“ kostet ein Plakat z.B. für die FDP mit allem drum und dran 13.- Franken (diese lässt die Plakate übrigens von einer „niederschwelligen Institution“ aufstellen) und wurde in den letzten Jahren massiv billiger. Wenn jetzt die Gemeinde noch zusätzlich 10.- Franken verlangen würde, wären es dann halt etwas über zwanzig Fr. oder fast das doppelte. Somit könnte man die Zahl der Plakate in der Gemeinde halbieren und hätte gleichzeitig noch etwas in der Kasse. Klingt doch interessant, oder? Im schlimmsten Fall – also falls die Parteien dieses Vorhaben boykottieren würden – wären wir sogar plakatfreie Zone!

Die Wirkung der Plakate ist bei dieser Anzahl sowieso in Frage zu stellen. Herr Messmer hat dazu einen guten Artikel mit erschreckenden Zahlen. Obwohl man nach dem Wahlsieg von Isaac Reber meinen könnte, das omnipräsente öffentliche Grinsen habe eine positive Wirkung, so ist auch festzustellen, dass bei vielen Wählenden die Sättigung bereits eingetroffen ist. Wählen wir doch mal Leute, die wir noch auf keinem Plakat gesehen haben!

Birsfelden und die BaZ

Die BaZ hat in der Freitags-Ausgabe stolz ihre neue „Führungsstruktur“ präsentiert, mit der alles besser werden soll (naja, schlimmer kann es ja kaum werden). Nachdem nach Somms Antritt fast alle Ressortleiter ausgewechselt wurden und auch sich sonst ziemlich viele Mitarbeitende der Redaktion einen neuen Arbeitgeber gesucht haben bzw. suchen mussten, hat man sich nun auch organisatorisch angepasst, damit man der Leserschaft nun „eine wirklich gute Zeitung“ bieten könne.

Genau umgekehrt scheint man ein ähnliches Problem in Birsfelden angegangen zu sein. Auch da hat der Chef gewechselt und auch er wollte etwas verändern. Harmlos klingend hat man sich mit Volkes Segen dazu entschlossen, die Organisation der Verwaltung zu „entwickeln“. In der Wirtschaft hätte man es wohl Umstrukturierung genannt. Dabei sind neue Departemente und Abteilungen entstanden, in denen die ehemaligen Strukturen neu geordnet wurden. Der ehemalige Werkhof beispielsweise findet man heute ja unter „Infrastrukturdiensleistungen“ und auch sonst wurde einiges umhergeschoben. Viel mehr als eine etwas gröbere Kosmetik war es allerdings nicht, ausser man betrachtet die Abteilungsleitungen: Die Bau und Gemeindeentwicklung fiel auf Kosten des bestehenden Bauverwalters in den Aufgabenbereich des Gemeindeverwalters, die neu vorgesehene Leiterstelle für „Leben in Birsfelden“ hingegen wurde vom Volk mehrmals abgelehnt.

Nun ist wieder alles anders. Ein neuer „Leiter Gemeindeverwaltung“ muss zwar noch gefunden werden. Wie im Stelleninserat aber bereits festgestellt, muss die neue Person keine Bauaufgaben mehr wahrnehmen. Im aktuellen Birsfelder Anzeiger auf Seite 14 wurde eine unserer Fragen bereits auch schon beantwortet: Neuer Leiter „Bau und Gemeindentwicklung“ ist Reto Seghers, Nachfolger des zurückgestuften Bauverwalters Schacher. Und weshalb genau hat man nun Geld für die Reorganisation ausgegeben, wenn doch wieder alles beim Alten ist?

Was lauft?

Heute haben wir die Marke von 10’000 Klicks auf dem Blog überschritten und somit ungefähr die Einwohnerzahl der „attraktiven Gemeinde“ erreicht. Das heisst natürlich nicht, dass jede/r Birsfelder/in unsere Seiten mal besucht hat, aber wir dürfen uns dennoch über eine tolle Stammleserschaft freuen. Vielen Dank fürs Mitlesen und Diskutieren!

Doch konnten wir mit dem Blog schon etwas erreichen? Hat sich der lokalpolitische Mikrokosmos schon in irgend einer Form verändert? Ist die dringend nötige Tendenz zu mehr Kommunikation und Transparenz in den politischen Gremien erkennbar?

Viel ist in der Tat noch nicht passiert. Das fällt nicht nur auf, wenn wir einen Blick auf unsere „Parteienzähler“ werfen, sondern ganz allgemein. OK, es war Sommerpause und die Parteien sind mit ihrem nationalen Wahlkampf gefordert. Aber eingentlich hat sich nicht viel getan. Erstaunt hat uns vor allem, dass sich gerade die meisten Parteien nicht trauen, auf spannende Diskussionen einzugehen und ihre Meinung öffentlich Kund zu tun. So wäre zum Beispiel das Thema Einwohnerrat doch ein hervorragendes Debattier-Thema hier auf dem Blog wie auch in anderen Medien…

Wir hoffen, dass sich die Situation bis zu den Wahlen anfangs 2012 noch ein bisschen verändern wird. Nun möchten wir noch Raum lassen und die Leserschaft um ihre Meinung bitten. Wie ge-/missfällt der Blog als Ganzes? Welche Artikel waren toll, welche gar nicht? Was wären wichtige Themen, die einmal beleuchtet werden sollten? Wir freuen uns auf möglichst viele Kommentare!

Attraktive Gemeinde sucht…Teil 1

Im Stellenanzeiger ist kürzlich ein spannendes Inserat aufgetaucht. Es gibt da nämlich „eine attraktive Gemeinde im Kanton Baselland“ und die…

…ist mit Naherholungsgebiet, verkehrstechnisch günstiger Lage, kurzen Wegen nach Basel und schönen Wohnlagen ein beliebter Wohn- und Arbeitsort mit rund 10’000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Haben Sie die Gemeinde erkannt? Auf jeden Fall suchen Headhunter nun für diese malerische Gemeinde eine/n Leiter/in Gemeindeverwaltung, um „den Dienstleistungsgedanken in der Gemeindeverwaltung weiterzuführen“. Die „führungsstarke, proaktive und sozialkompetente Persönlichkeit“ darf unter anderem die Verwaltung nach NPM-Normen „formen“ und hat auch für die üblichen Aufgaben „viel Gestaltungsspielraum“ (für mehr Details: das gesamte Inserat gibt es hier).

Offenbar hat auch der Gemeinderat seinen „Gestaltungsspielraum“ einmal mehr ausgenutzt. Wir erinnern uns (und auch den Gemeinderat) gerne daran, dass man bei der nicht ganz günstigen Organisationsentwicklung den Gemeindeverwalter auch noch zum Bauchef der Gemeinde gemacht hat. Dies geschah auf Kosten des bisherigen Abteilungsleiters und es war nie ganz klar, weshalb der Gemeindeverwalter auch Bauverwalter sein sollte.

Jetzt, also gute zwei Jahre später, ist die nachhaltige Restrukturierung also einmal mehr abgeändert worden und die beiden Aufgaben sind wieder getrennt. Man wird den Verdacht nicht los, dass da mehr dahinter steckt. Doch unsere Hauptfrage heute heisst: Wer ist denn nun Bauverwalter? Und auf welcher Stufe wird diese Position entlöhnt?

Birsfelden und Metrobasel

Unsere Gemeinde ist bereits seit einiger Zeit Mitglied bei „metrobasel“, einer Organisation die sich selbst mit den Worten “ Plattform, Think Tank, Stimme und Akteur für die Entwicklung der Metropolitanregion Basel“ beschreibt. Klingt spannend, oder? Doch was ist der Nutzen für Gemeinde ganz konkret?

An einem Event im Herbst 2009 stellte man sich in der Buchhandlung „Bider und Tanner“ der breiteren Öffentlichkeit vor. Mit dabei auch unser Gemeindepräsident und Medienprofi Claudio Botti. Sehen Sie in diesem Video, wo er die Vorteile in metrobasel sieht und was es ihm persönlich und der Gemeinde so bringt, da mitzumachen (Weiterlesen macht nur nach dem Anschauen des Videos Sinn).

Auch zwei Jahre später zeigen sich die Vorteile wohl „noch nicht ganz direkt“. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Interessant ist aber, wie die Frage nach dem persönlichen Nutzen geschickt und professionell umgekehrt wird: metrobasel kann nämlich Stolz sein, die Unterstützung von Birsfeldens Präsident zu haben. Davon profitiert nämlich die Organisation, so ist das! Und einer der angesprochenen Punkte wurde auch schon umgesetzt: die Präsenz der Gemeinde in der Öffentlichkeit wurde gesteigert. Sehen sie sich dazu das Interview mit Guy Morin an: Ca. bei 1:08 sind „wir“ für 30 Sekunden berühmt 😉

Was macht eigentlich…

Heute: das „Totenglöckli“ auf dem Friedhof.

Obwohl die Geschichte des Totenglöckli bekanntlich bereits abgeschlossen wurde, kann es doch noch erleuchtend sein, nochmals darauf zurück zu blicken. Eine Tradition bei Beerdigungen ist es, dass die Kirchenglocken läuten. Je nach Kirchenzugehörigkeit der verstorbenen Person übernimmt diesen Auftrag jeweils die katholische oder die reformierte Kirche. Gehört man einer anderen oder gar keiner Religion an, so wird dieser Service der Kirchen wohl kaum gewährt. Der Gemeinderat wollte diese Lücke füllen und plante einen kleinen Glockenturm auf dem Friedhof. Die bereits budgetierten Kosten für den Bau beliefen sich auf rund 100’000 Franken. Recht viel eigentlich, für eine Dienstleistung, die eigentlich kaum einen Nutzen hat. Besonders wenn man bedenkt, dass bei anderen Religionen dieses „Geläute“ ja nicht unbedingt zur Tradition gehört und vielleicht gerne darauf verzichtet wird.

Im Zuge der Finanznot hat dann der Gemeinderat aber auch diesen Posten nochmals überprüft und schliesslich im grossen „Streichkonzert“ auch gestrichen. Die Bevölkerung informierte man damals im „Birsfelder Anzeiger“:

Mit Vertretern der Birsfelder Kirchen hat der Gemeinderat den Bau des Glockenturms im Friedhof nochmals eingehend besprochen. Angesichts der finanziellen Situation der Gemeinde und auch weil seitens der Kirchen kein explizites Bedürfnis vorliegt, hat der Gemeinderat beschlossen, das Geschäft nicht weiterzuführen.

Vielleicht sollte man in Zukunft schauen, dass man solche Bauprojekte nur plant, wenn man auch weiss, dass ein „explizites Bedürfnis“ besteht. Andernfalls verpufft wie in diesem Fall viel (knappes) Geld in der Planung und Projektierung. Wie viel das war, weiss man zwar nicht, doch wäre die Erleuchtung etwas früher erfolgt, hätte man dieses Geld sparen können. So einfach wäre es.

Hinters Licht geführt?

Nach der letzten Gemeindeversammlung hatte man ja zumindest oberflächlich das Gefühl, dass alles in Ordnung sei. Ein gut vorbereiteter Gemeinderat, schön angeschrieben mit druckfrischen Namensschildern und ein strenges Einreiseregime Eingangskontrollarium sorgten für ein völlig neues Erlebnis. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, stellte sich dann später heraus, als man im Rauschen des Tonprotokolls interessante Tuscheleien fand. Nun liefern wir zur gleichen Veranstaltung noch eine weitere Anekdote.

Sie erinnern sich vielleicht an die Milchbüchlirechnung von Frau Roth-Somlo. Sie rechnete uns vor, wie günstig uns so eine neue unterirdische Sammelstelle kommt, wenn man mal von den 70’000 Fr. Investition absieht. Nach Gedächtnis und Tonprotokoll hat ihre Tabelle etwa so ausgesehen:

 bisherige Container-Sammelstelle Unterirdische Sammelstelle
Sammelmenge Alu/Weissblech 3.63 Tonnen/Jahr 3.63 Tonnen/Jahr
Kosten Leerung pro Tonne 744.50 Fr./Tonne 160.- Fr./Tonne
Gutschrift pro Tonne 27.- Fr./Tonne 100.- Fr./Tonne
Totalkosten pro Tonne 717.50 Fr./Tonne 60 Fr./Tonne
Totalkosten pro Jahr 2601.70 Fr./Jahr 217.- Fr./Jahr

Nun haben unsere Recherchen ergeben, dass zumindest eine Zahl in der Tabelle nicht stimmt. Die rot eingefärbten 27.- Fr. Altmetallwert pro Tonne bei den herkömmlichen Sammelstellen im Vergleich zu den 100.- Fr. bei den unterirdischen Containern ist ziemlicher „Hafenkäse“. Die Anfrage bei der Entsorgungsfirma ergab nämlich:

Marktpreis für Weissblech wird nicht nach der Art von Sammelsystemen bezahlt. Sonst würden solche Systeme nur noch in den Gemeinden verwendet. Diese Systeme werden aus verschiedenen Problematiken oder Entscheidungen gebaut, bitte fragen Sie die Gemeinde selber an.

Die Gutschrift betrüge (schöner Konjunktiv in diesem Zusammenhang) also in beiden Fällen 100.- Fr. pro Tonne. Jetzt macht das schlussendlich immer noch ein Total von 2339.55 Fr. pro Jahr im Vergleich zu den 217.- Fr., trotzdem stellt sich aber die Frage, inwiefern wir die restlichen Zahlen noch glauben dürfen. Ganz nach dem Motto: „Traue nie einer Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“. Ob Frau Roth die Zahlen selbst so ausgerechnet hat oder sogar bewusst daran gedreht hat, weiss man nicht. Allerdings bleibt der fahle Nachgeschmack, der bisher nur von „Guttenberg“ Zufferey getoppt wurde. Er hat ja mal einen Text in die GVS-Unterlagen geschrieben, den er ohne Quellenangabe aus dem Internet kopiert hatte. Für ihn leider ohne Konsequenzen…

Es könnte reichen!

Etwas untergegangen ist bei uns eine doch ziemlich wichtige Meldung, welche übers Wochenende in beiden regionalen Zeitungen zu lesen war. Nein, es ist nicht der Name der dritten Zeitung, welche uns in rund 10 Wochen mit unabhängigeren Nachrichten versorgen wird (und schon jetzt einen kleinen Blog unterhält).

Nein, wir sprechen von der Tatsache, dass es für den Einwohnerrat doch noch reichen könnte! Der Gemeinderat hat anscheinend das wichtige Geschäft bereits für die Gemeindeversammlung im Oktober soweit aufbereitet, dass wir nun über die Änderung der Gemeindeordnung ein erstes Mal abstimmen können. Die BaZ beschreibt das so:

Nachdem die Gemeindeversammlung am 20. Juni mehrheitlich Ja zur Wiedereinführung des Einwohnerrates in Birsfelden gesagt hat, wird der Gemeinderat der Gemeindeversammlung die Änderung der Gemeindeordnung am 31. Oktober vorlegen. Er will den Stimmberechtigten die Organisation des künftigen Einwohnerrates aufzeigen und über die personellen und finanziellen Konsequenzen Auskunft geben.

Die „personellen Konsequenzen“ tönen vielversprechend, dürften aber kaum mit allfälligen (überfälligen) Rücktritten aus der Exekutive zu tun haben. Trotzdem klingt das Ganze unterschwellig etwas nach Drohung. Im „neutralen Gemeinderat“ scheinen halt doch nicht alle ganz glücklich mit der Idee zu sein. Aber immerhin hat man die Initiative zügig bearbeitet.

Und damit nicht genug: Kurz vor Weihnachten findet dann – im Falle eines „Ja“ an der GVS – am 18. Dezember die Volksabstimmung über die gleiche Frage statt. So wissen wir bereits zur (Global-)Budgetgmeini tags darauf, ob man nun mit Wehmut letztmalig in so grossem Rahmen über die Zahlen streiten darf. Der „Fahrplan Holm“ scheint also aufzugehen!

87

Obwohl sich die offizielle FDP nicht gemeldet und das Gerücht weder bestätigt noch dementiert hat, stehen die Zeichen eher auf „Weiterzählen“. Aus der Basis erhielten wir den Hinweis, dass man an keiner Sitzung beschlossen habe, den Antrag auf Untersuchung der Personalfluktuationen zu sistieren. Das schliesst aber nicht aus, dass der Parteivorstand eventuell anderer Meinung war bzw. ist und in Eigenregie einen Rückzieher gemacht hat. Ein klares „Ja“ oder „Nein“-Bekenntnis wäre auf jeden Fall wünschenswert.

Insbesondere für den allseits beliebten Senkrechtstarter im Gemeinderat könnte diese „Fähnlein-im-Wind-Taktik“ nach hinten losgehen. Die Glaubwürdigkeit hat zumindest schon erste Kratzer abbekommen, denn es macht sich nicht so gut, wenn man zuerst öffentlich nach etwas schreit und nach dem Seitenwechsel dann schweigt. Kollegialitätsprinzip hin oder her. Man könnte das Partei-intern ja schliesslich auch delegieren, um diesen Prinzipienbruch zu umgehen. Wir sind gespannt, wie sich das weiter entwickelt…

Der Zähler steht nun auf jeden Fall bei 87 und erhöht sich vorerst wöchentlich weiter.

Weiter zählen?

Die Sommerpause neigt sich dem Ende entgegen und damit ist auch die sogenannte „Saure-Gurken-Zeit“ beendet, denn es wird wieder „richtig gearbeitet“. Auch der Gemeinderat ist zurück und stürzt sich im Rahmen der Dienstagsrunde wieder in seine Arbeit. Wenn man den Gerüchten glauben kann, so hat die Exekutive nun nach den Ferien einen Auftrag weniger zu erledigen. Ein Kommentator von gestern schreibt nämlich:

In unserem Dorf zirkuliert das Gerücht, die FDP habe die 86-Wochen alte Forderung zurückgezogen, wonach der Gemeinderat unverzüglich eine Untersuchung der Personalfluktation einleiten soll.

Genaueres dazu wissen wir leider auch nicht. Am besten wäre, die FDP würde in der Sache offen informieren. Man will doch in der Partei hoffentlich nicht plötzlich die Unmode des Gemeinderats kopieren und gewisse Sachen einfach aus dem Gedächtnis schweigen. Sowas sind wir von den sonst so kritischen Liberaldemokraten doch nicht gewohnt! Oder sind die FreidenkerInnen alle noch mit Gassers Buch beschäftigt?

Platzhalter

Webmaster der offiziellen Gemeindeseite zu sein, ist sicher eine aufwendige Sache. Da muss immer alles auf dem aktuellsten Stand sein. Viel zu tun gab in letzter Zeit vermutlich die Seite mit den Mitarbeitenden. Nicht nur, dass es viele Wechsel bei den Angestellten selbst gab. Nein, auch die Zuständigkeiten und offiziellen Titel änderten oft. So musste mal wieder irgendwo ein „Leiter“ zum „Sachbearbeiter“ degradiert oder ein „a.i.“ hinter die Aufgabe gesetzt werden. Wenn man den Überblick dann mal verliert, kann es schon sein, dass sich unbemerkt etwas einschleicht. In unserem Fall ist es der Mitarbeiter „Peter Muster“, bekannt aus unzähligen Formularvorlagen, wo er stets als Platzhalter dient.

Ob das der neue Gemeindeverwalter ist? Einen Aufgabenbereich hat er jedenfalls noch nicht bekommen. Vielleicht braucht es zuerst halt wieder eine teure Reorganisation, damit Herr Muster optimal eingesetzt werden kann.

Ach ja, zur Zeit sind drei Stellen bei der Gemeinde ausgeschrieben. Allerdings ist keine dabei für einen neuen Gemeindeverwalter. Das wird wahrscheinlich über einen Headhunter erledigt. Bitte diesen Ausgabeposten nicht vergessen bei der Antwort an die SP (siehe SP-Zähler rechts unten) ;-).

Pro und Contra

Die Wiedereinführung des Einwohnerrats ist ja nicht so unumstritten, wie das zu Beginn angenommen wurde. Langsam aber sicher wird nun klar, wer die Kontrahenten in diesem neuerlichen „Polit-Streit“ sein werden. Der Gemeinderat – oder besser der Gemeindepräsident – hatte an der letzten Gemeindeversammlung verkündet, dass sich der Gemeinderat in die Diskussion nicht einmischen will. Mit dieser Aussage hat man sich also gleich aus der Schusslinie genommen, wahrscheinlich aus Angst vor weiteren Streifschüssen. Vielleicht aber auch, weil sich im Gremium der Dienstagsrunde selbst ein grosser Graben geöffnet hat.

Klar war bis jetzt lediglich, dass die Initiative von mehreren Parteien getragen wird. im Initiativ-Komitee findet man neben der SP und der FDP auch VerteterInnen von der EVP sowie den Grünen. Das Fehlen von CVP und SVP ist aber kein Zufall. Während John Heldner erklärt hat, dass die SVP anfangs im Komitee dabei war, den Rat nun aber mit der direkten Demokratie nicht mehr vereinen kann, war wohl niemand überrascht. Von der CVP wusste man aber nichts. Es gab zwar Voten von CVP-AnhängerInnen, aber niemand der „Pro-Birsfelden“ Fraktion äusserte sich im Namen der Partei.

Das Interview mit Frau Mächler im letzen Birsfelder-Anzeiger sollte nun aber Klarheit schaffen. Wieder ist ein CVP-Mitglied, das schon in fast allen Behörden mitgearbeitet hat, gegen den Einwohnerrat. Zwar findet man auch hier keine eindeutige Parteiparole, aber dafür Gifteleien gegen die SP, eine der Urheberinnen der Initiative.

Die SP hat es nicht verkraftet, dass sie nach über 17 Jahren nicht mehr den Gemeindepräsidenten stellt.

Und deshalb versucht sie nun den Einwohnerrat wieder einzuführen? Es dürfte doch viel mehr damit zusammenhängen, dass der jetztige Gemeinderat (inklusive SP) in letzter Zeit mehrfach bewiesen hat, dass er nicht vernünftig regieren kann. Der Gemeinderat sollte eigentlich den Einwohnerrat eher als Hilfestellung zur Vermeidung von Fehlentscheidungen und breiterer Abstützung der Meinungsbildung verstehen. Ob das so ist, wissen wir nicht, weil der Gemeinderat ja keine Meinung dazu hat.

Angestellt vs. gewählt: Teil 3

Hier folgt der vorerst letzte Teil unserer „Angestellt vs. Gewählt“-Serie:

Angestellte/r Gewählte/r
Kündigungsfrist Regulär je nach Arbeitsvertrag 3-6 Monate, Freistellungen und fristlose Entlassungen sollten die Ausnahme bleiben bei Wahl/Wiederwahl bis Ende Amtsperiode, Rücktritt aber jederzeit möglich
Vorgesetzte/
Mitarbeitergespräche
Regelmässige MAG mit Abteilungsleiter oder Gemeinderat keine Vorgesetzten, daher auch keine MAGs über eigene Leistung
Lohn Gemäss kantonalem Lohnklassenreglement Grundentschädigung + Sitzungsgelder gemäss Behördenreglement, abzüglich AHV/IV/EO aber nicht BVG-pflichtig, zusätzlich diverse Pauschalspesen, Entschädigung untersteht allfälliger Mandatssteuer der Partei

Kommen Ihnen noch weitere wichtige Unterschiede in den Sinn?
Zusammen mit Teil 1 und 2 ergibt sich ein schönes Bild zu den zwei Welten. Eine gute Zusammenarbeit kann jedoch nur entstehen, wenn die Gewählten mit den Festangestellten zusammenarbeiten können und ihnen ihr Vertrauen schenken. Dabei ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die ausgebildeten Mitarbeiter über mehr Fachwissen und Erfahrung verfügen als die Volksvertreter. Auch ist der Zeithorizont eines FESTangestellten auf seinem Job in der Regel länger als der eines Politikerpostens. Aber irgendwie scheinen dies noch nicht alle begriffen zu haben…

Noch fünf, vier, drei,…

… zwei Mal schlafen und dann findet das grosse „Birsfelder OpenAir“ auf der Fridolinsmatte statt.

© MVEA (für mehr Infos, auf das Bild klicken!)

Unter dem Namen „mvea“ (musik verein event arena) ist ein Verein entstanden „mit frischen, kreativen und zeitgemässen Ideen in den Bereichen Kultur und Events“. So organisieren sie – nach diversen kleineren Events wie dem „Schajawaja“-Partyzelt am Hafenfest oder dem Banntag-Catering – am Samstag, 6. August, nun das erste Openair auf dem Gelände des katholischen Männervereins. Das Programm sieht regionale und nationale Bands vor, von denen „Redwood“ nach eigenen Angaben wohl die bekannteste sein dürfte. Noch nie gehört? Dann wäre das ja die Gelegenheit, am Samstag mal vorbei zu schauen (Hardhügel-Anwohner und Altersheim-Pensionäre dürften auch ungewollt eine Kostprobe ihrer Musik bekommen).

Es läuft also etwas im Dorf! Auch wenn nicht alle BirsfelderInnen zur Zielgruppe der 18-35-jährigen gehören, so wünschen wir dem Openair trotzdem schönes Wetter und einen guten Start.

%d Bloggern gefällt das: