Was macht eigentlich…

Heute: die Immobilienstrategie?

Obwohl im Dienstagsrundenwahlkampf die Immobilienstrategie noch als die grosse Errungenschaft der letzten Legislatur gepriesen wurde, ist heute klar, dass dieses Papier erst in den vergangenen Wochen erarbeitet wurde und die Substanz dieses angeblich so wichtigen Meilensteins etwa so gross ist, wie Anzahl der Sozialhilfebezüger im Sternenfeld.

Immerhin gibt es demnächst eine zwei Infoveranstaltungen zum Thema: Am 13. am 18. September informiert „der Gemeinderat“ die Birsfelder Bevölkerung um 19:30 Uhr in der Rheinparkaula über den „Masterplan“ zur „Stabilisierung der Gemeindefinanzen“. Und wie wir unlängst vom 100-Tage alten Verwalter erfahren mussten, ist die Immobilienstrategie nun Teil dieses Plans:

Der Masterplan legt die Schwerpunkte in der Finanzplanung für die nächsten vier Jahre fest. Er soll sicherstellen, dass wir auch künftig eine schwarze Null schreiben. Die Immobilienstrategie ist Teil des Masterplans. Beides wird der Gemeinderat im Herbst an einer Infoveranstaltung vorstellen.

Von der Immoblienstrategie ist zwar in der Einladung zum Infoabend nichts zu lesen, aber wir gehen jetzt mal davon aus, dass die Abteilung „Bau- und Gemeindeentwicklung“ am gleichen Abend den Umzug der Gemeindeverwaltung  und ein paar andere Umbaupläne thematisieren grob streifen wird. Für die ganz wichtigen Themen scheint aber sowieso nur noch Herr Hiltmann zuständig zu sein. Auch im letzten „Birsfälderli“ war er es, der sich zum Wohnungsbau äussern durfte:

In Birsfelden gibt es, im Vergleich zu anderen Gemeinden, viel günstigen Wohnraum. Daneben mangelt es eher an hochwertigen Wohnungen. Wo die Möglichkeit besteht, als Gemeinde einzuwir­ken, werden wir uns daher dafür einsetzen, dass wir in Birsfelden auch Wohnungen im oberen Seg­ment anbieten können.

Der Finanzchef greift also auch da schon ins (noch) vizepräsidiale Baudepartement ein und übernimmt die Verantwortung Federführung beim Masterplan. Wird er da etwa beim alles übergreifenden Schachspiel noch rechtzeitig als Bauer geopfert?

Möglich wäre es. Denn wenn wir ein paar Argumente für den Umzug der Verwaltung in die benachbarte Liegenschaft 25 nochmals überprüfen, fallen ein paar Schwachpunkte auf:

Als erste mögliche Konkretisierung der strategischen Optimierungen wurde die Gemeindeverwaltung am jetzigen Standort Hardstrasse 21 identifiziert. Sie befindet sich in einem ehemaligen Fabrikgebäude aus dem Jahre 1950 und hat einen grossen und relativ zeitkritischen Renovations- und Sanierungsbedarf. So sind durchhängende Holzbalkendecken und eine schlechte Wärmeisolation nur zwei von vielen Mängeln.

Diese Punkte sind wohl in der wirklich stark renovationsbedürftigen Liegenschaft 25 kaum besser. OK, es gibt zwar keine Holzbalkendecken, aber der Betonbau dürfte wärmetechnisch – trotz Energiestadtlabel – wesentlich schlechter sein.

Im Rahmen einer gesamtheitlichen und nachhaltigen Lösungssuche wurden in einer Standortevaluation sechs verschiedene Varianten einer Nutzwert-Analyse unterzogen. Dabei hat die Variante «Renovation und Umnutzung der benachbarten Liegenschaft Hardstrasse 25» die besten Ergebnisse erzielt. Andere Standorte waren deutlich kostspieliger, terminlich und organisatorisch schwer realisierbar oder aus Gründen der Attraktivität und Zugänglichkeit für die Bevölkerung ungeeignet.

Wo man denn genau die anderen fünf „abgelegenen“ Standorte genau plaziert hat, wird wohl für immer das Geheimnis der Verwaltung bleiben. „Terminlich schwer realisierbar“ dürfte es aber werden, wenn die jetzigen Mieter nach erfolgreichem Rechtsverfahren über mehrere Jahre Mieterschutz geniessen.

Ein weiterer Vorteil: Für den neuen Standort der Gemeindeverwaltung braucht es keine Umzonung.

Korrekt. Doch was ist genau der Plan mit der „alten“ Verwaltung?

Nach dem Umzug der Gemeindeverwaltung an den neuen Standort ist der Weg frei für eine neue Nutzung der Parzelle 738 (jetziger Standort der Gemeindeverwaltung). Die dafür beste Variante muss in einem breit abgestützten Verfahren sorgfältig evaluiert werden.

Auch das Gebäude „Hardstrasse 25“ befindet sich auf der Parzelle 738. Diese müsste dann also für eine Neunutzung sowieso aufgeteilt bzw. umgezont werden. Ein etwas merkwürdiges Argument also…

Und zuletzt wartet man noch mit einem ästetischen Argument auf:

Das Gebäude an der Hardstrasse 25, die zukünftige Gemeindeverwaltung, bleibt dabei äusserlich sowohl in Konturen als auch im Erscheinungsbild erhalten.

Der wahre Gewinn für die Gemeinde also. Architekturstudierende aus aller Welt werden diese Liegenschaft als Pilgerstätte besuchen, als lebendiges Beispiel für eine meisterhafte Umnutzung eines wahrlich schützenswerten Industriebaus! Das kurbelt natürlich auch die lokale Hotelindustrie an und man sollte schleunigst daran denken, auch einen Tourismusverantwortlichen anzustellen;-)

6 responses to this post.

  1. Posted by Anonymous on 02.09.2012 at 22:00

    Zum Thema Wärmesisolation und / oder Heizung sollte man mal die Mieter der gemeindeeigenen Wohnungen befragen…. Elektrische Leitungen wären auch ein Thema

    Antworten

  2. Posted by Anonymous on 03.09.2012 at 08:50

    „…So sind durchhängende Holzbalkendecken und eine schlechte Wärmeisolation nur zwei von vielen Mängeln.“

    Diese Decken hingen schon vor 20 Jahren genau so durch wie heute. Und die Isolation war nicht besser. Im Gegenteil. Es wurden immerhin mal die Fenster etwas dichter gemacht (nicht neu, nur dichter), so dass es im Winter nicht mehr ganz so fest zieht.

    Und ob eine versteckte Gemeindeverwaltung für das Publikum attraktiver ist, finde ich eher fraglich. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das für Architekturstudenten wirklich interessant sein könnte. Nämlich als Beispiel, wie man es NICHT machen sollte. 😉

    Antworten

  3. Posted by Anonymous on 03.09.2012 at 10:54

    Wärmeisloation an einem Haus, gibt’s es nicht, man spricht in der Praxis meistend bei Elektrokabel von Isolation. Wäre ein Haus Isoliert, dann käme da keine Luft mehr rein, wäre also dicht! Beim Hausbau handelt sich also um eine Wärmedämmung!

    Aber vielleicht will man ja das Gemeindehaus dicht machen?;-)

    Antworten

    • Posted by Anonymous on 04.09.2012 at 09:06

      Ja willst du tatsächlich damit sagen,
      das »Gemeindehaus« sei nicht ganz dicht?

  4. Zwei Fragen:

    1. Wieso will der Gemeinderat offenbar einen Teil der „schlechten Steuerzahler“ loswerden und dafür „hochwertige Wohnungen“ anbieten? Weiss er denn nicht, dass beispielsweise der Steuerertrag bezogen auf die Fläche in den auf den ersten Blick ärmeren Quartieren grösser ist, als bei „hochwertigen Wohnungen“? Das hat eine Untersuchung in der Stadt Luzern gezeigt. Vermutlich bringt das Sternenfeld mehr ein, als andere Quartiere.

    2. Wieso will der Gemeinderat hier plötzlich Einfluss nehmen, bei den drei Sternenfeldhochhäusern aber meinte man, da gehe nichts?

    Bonus: Wieso gibt es vorab keine Dokumente zum Masterplan? Soll man sich nicht vorbereiten dürfen oder auch an den beiden Abenden nur mündlich, nicht schriftlich informiert?

    Antworten

    • Posted by wutbürger on 03.09.2012 at 15:15

      Weil es weder den Masterplan noch die Immobilienstrategie (lauter hochgestochene Worte) gar nicht gibt. Man will wohl erst das Volk kitzeln und dann schauen, in welche Richtung man gehen will.
      Das heisst dann wohl strategisches Denken oder so.
      Genau wie das Leitbild, das teure, das auch zur Strategie erhoben wurde.
      Und für die Strategie ist eh schon nur der Gemeinderat zuständig, wurde uns einmal erklärt, und nicht das tumbe Volk oder die Schwarmintelligenz der Gemeindeversammlung.
      Genau so war es ja auch beim Leidbild.

      Und warum Bonus? Den gibt es doch nur bei den Banken …

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