Blühende Fantasien: Kapitel 2

Selbstverständlich halten wir unser Versprechen, noch vor der heutigen Präsentation des „Masterplan“ inkl. Immobilienstrategie zu spekulieren, was allenfalls grosszügig ausgelassen wird. Allerdings sind ja mittlerweile die Medien über die Strategie der Dienstagsrunde informiert worden, so dass auch für den informationstechnisch nicht so privilegierten Birsfelder Einwohner schon einiges durchgesickert ist. Die Frage ist jetzt nur noch, ob dieses Mal seriös recherchiert wurde, denn es gibt da schon ein paar Punkte, die so klingen, als wurden sie frei erfunden.

Nehmen wir beispielsweise die Aussage in der gestrigen „bz“:

Fast 4 Millionen Franken jährlich an Steuereinnahmen und Baurechtszinsen sind das Ziel – konservativ gerechnet.

Klingt ja wirklich fantastisch! Doch wie setzt sich das denn zusammen? Konkreter wird die heutige „BaZ“:

In ihrer Immobilienstrategie hofft die Gemeinde, durch den Bau von zirka 350 Wohnungen insgesamt 1000 bis 1500 neue Einwohner nach Birsfelden locken zu können – nicht zuletzt mittelständische, junge Familien, wie es das Leitbild der Gemeinde festhält. Auch sollen 7000 Quadratmeter neue Geschäftsflächen geschaffen werden, alles mit Auswirkungen aufs Portemonnaie der Gemeinde, die sich neue Steuereinnahmen in der Höhe von 1,6 Millionen und Baurechtszinsen von 2,3 Millionen Franken erhofft.

1500 neue Birsfelderinnen und Birsfelder in 350 Wohnungen, das bedeutet eine durchschnittliche Familiengrösse von 4,3 Personen! Wow, aber vielleicht etwas zu konservativ…

Den Anfang soll dabei bekanntlich die „Parzelle 738“ machen, wo ca. 50 Wohnungen entstehen könnten. Doch sind diese Zahlen realistisch? Immerhin sind auch sie „konservativ gerechnet“. Wir haben einmal ein paar Punkte analysiert:

Neben den ca. 5’000 Quadratmeter, die an der Hardstrasse frei werden, spekuliert man noch mit ungefähr 2’000 Quadratmeter beim heutigen Feuerwehrdepot und groben 3’000 Quadratmeter beim Werkhof. Diese beiden Flächen stehen aber nur zur Verfügung, wenn die Roche ihren bis 2030 dauernden Baurechtsvertrag vorzeitig auflöst und die Stimmbürger bereit sind, einen zweistelligen Millionenbetrag in den Neubau/Ersatz der entsprechenden Gebäude zu stecken. Das Feuerwehrdepot sollte eigentlich noch ein paar Jahre halten und in den Werkhof hat man immer mal wieder ein paar zehntausend Franken „Projektierungskredite“ investiert. Wo sind die bloss versandet…

Egal, die Dienstagsrunde rechnet schon mal mit dieser Fläche, die zusammengezählt 10’000 Quadratmeter umfasst. Wieviel Baurechtszins könnte man jetzt da erwarten? Wir erinnern uns an die „Parzelle 1610“ (Fröschenweg), wo für rund 3’500 Quadratmeter jährlich rund Fr. 100’000.- in die Gemeindekasse fliessen. Mit den vorgeschlagenen insgesamt rund drei mal grösseren Flächen dürften es also ca. Fr. 300’000.- Baurechtszins sein – konservativ gerechnet. Die Differenz zur gemeinderätlichen Rechnung beträgt also immer noch mehr als eine Million.

Und diese Differenz soll offenbar – und damit haben wir wirklich nicht gerechnet und hätten uns völlig verspekuliert – mit einer Zentrumsplanung wettgemacht werden:

Entscheidend für die Entwicklung von Birsfelden wird auch sein, was auf der Zentrumsparzelle passiert, wenn das Birsparkschulhaus 2016 frei wird. Auf dem Gelände zwischen Haupt- und Kirchstrasse sollen neue Geschäftsflächen ebenso wie neue Wohnungen möglich werden – wenn einige knifflige Fragen beantwortet sind. Beispielsweise: Was soll mit der alten Turnhalle geschehen? Ist die Schwimmhalle am richtigen Ort?

Ja, Sie haben richtig gelesen: Nach (verlorenen) Jahren der Verschmähung und Ignoranz gegenüber den schon durchgeführten und bezahlten Planungen hat man erkannt, dass man auf der „Parzelle 96“ vielleicht doch noch etwas herausholen könnte. Man spricht sogar davon, dass es „entscheidend für Birsfelden“ wäre. Hätte man nur früher vom „Baum der Erkenntnis“ gegessen, würde vielleicht schon heute Geld in die Kasse gespült und nicht erst nach den Wahlen in vier Jahren, wie das befürchtet wird:

Botti hofft, dass vor 2016 Geld zurück in die Kasse fliesst: «Es wird schwierig sein, den Leuten zu erklären, dass wir trotz Mehrkosten und schrumpfendem Eigenkapital investieren und uns so weiter verschulden müssen, damit in Zukunft unsere Kassen besser gefüllt sein werden.»

Aber hören wir auf mit den Spekulationen und lassen wir uns heute oder am nächsten Dienstag Abend von den Experten aus zweiter erster Hand informieren! Denn auch bei diesen beiden Zeitungsartikeln wurde wieder unsauber recherchiert. Die „BaZ“ glaubt nämlich, dass die Verwaltung an der Hauptstrasse 21 steht und in die Hauptstrasse 25 zügelt. Wie hat der gute Mann bloss die Medienorientierung gefunden…

4 responses to this post.

  1. «Es ist nicht schwierig zu erklären, dass wir uns so weiter verschulden müssen, damit in Zukunft unsere Kassen besser gefüllt sind.» Aber schwierig dies zu glauben…..

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  2. Posted by Peter Meschberger on 13.09.2012 at 15:17

    Weiss wohl der hohe Gemeinderat, was für einen Untergrund der Roche – Sportplatz hat? Glaubt er wirklich, dass dort ein Investor mehr Baurechtszinsen bezahlen wird als Roche? Und warum will er nicht auch gleich noch das Fussballfeld überbauen? Das ist wohl ein Witz. Ja und wo will er den Werkhof und das Feuerwehrdepot erstellen? Etwa auf teurem Baurechtsareal des Kantons?
    Solche Ideen geisterten doch schon vor 50 Jahren durch Birsfelden…

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  3. Sehr interessant, auch der Artikel Planwirtschaft. Ich habe mir ja schon mal ein paar Fragen gestellt, klarer wurde nichts. Denn wieso werden die Medien vorab informiert? Das wissen offenbar nicht einmal die Journalisten. Die Unterlagen seien auch sehr ungenau, konservativ ist wohl das häufigste Wort.

    Zwei der drei Projekte des Masterplans (der komischerweise keine generellen Dinge festlegt) sind ja nicht neu: Der Umzug der Gemeindeverwaltung ist schon länger ein Fall für die Mietschlichtstelle, die Zentrumsüberbauung hat ohne Bagger ja schon CHF 500’000.- gekostet für einen Planungskredit. Neu ist nur der Umzug der Feuerwehr und des Werkhofs – auf den ersten Blick sinnvoll.

    Heute Abend schaue ich mir auf jeden Fall das einmal an, was da präsentiert wird.

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  4. Posted by Anonymus on 13.09.2012 at 17:07

    Sind die Gemeinderäte und die farblose, äh parteilose Gemeinderätin von allen guten Geistern verlassen worden oder hat der Blitz die Dienstagsrunde getroffen und damit die Hirnströme irrgeleitet? Lassen wir mal die viel zu hohen Erwartungen bei den Baurechtszinsen (1 Mio!) und die berechtigten Bedenken von Peter Meschberger beiseite: Die Roche hat schon einmal einen tollen Immobliendeal verhindert, um später aber einen fairen Baurechtsvertrag bzw. die Verlängerung desselben mit der Gemeinde abzuschliessen. Es ist kaum anzunehmen, dass die Roche einer vorzeitigen Auflösung des Baurechtsvertrages zustimmt.

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