Vorschau GVS 1/2013: Traktandum 3

Zum Geschäft der „Waldverschiebung“ in der Staatsgrube wird der Stimmbürger in den Erläuterungen erfreulicherweise ausführlich und reich bebildert informiert. Es scheint auf den ersten Blick ein Projekt zu sein, welches von Grund auf sauber aufgegleist wurde und trotz einer gewissen historischen Brisanz problemlos bewilligt werden dürfte.

Manchmal fragt man sich dann aber halt doch, weshalb ausgerechnet siebentausendfränkige Zonenplanmutationen besser ausgearbeitet präsentiert werden als Millioneninvestitionen in die Infrastruktur. Die Antwort darauf ist aber vermutlich ziemlich simpel: Die Grundstückeigentümerin „Immobilien Basel-Stadt“ hat (im Gegensatz zum Kanton BL) ein veritables Interesse daran, dieses Stück Land bald möglichst gewinnbringend zu bebauen und hat deshalb – auf eigene Kosten – die Firma „Hintermann & Weber“ damit beauftragt, die Staatsgrube zu „rekultivieren“. Letztlich könnte das auch der Gemeinde Steuermittel einbringen und schliesslich erhalten wir – wenn wir den Text richtig interpretiert haben – ein weiteres, öffentlich zugängliches Biotop (und auch das Kraftwerks-Biotop scheint übrigens endlich unumstritten!). Das sind doch gute Nachrichten!

Doch schauen wir es uns etwas genauer an. Die Baselstädtische Kiesgrube wird seit Jahrzehnten nicht mehr richtig genutzt und die Natur ist seit längerem daran, eine natürliche Waldverschiebung durchzuführen. Dank den „Glögglifröschen“ in den Verwaltungen, Behörden und Parlamenten des regionalen Kantonsökosystems haben sich die echten Glögglifrösche die Grube als neuen Lebensraum ausgesucht. Mittlerweile existieren aber auf der anderen Strassenseite künstlich angelegte Feuchtgebiete, so dass die Grube eigentlich zugeschüttet werden könnte. Doch angeblich stellt sich laut Erläuterungen folgendes Problem:

Zur Auffüllung der Grube muss das vorhandene Waldstück verschoben werden.

Wer sich die Situation mal angesehen hat, der weiss, dass sich Wald und Grube gegenseitig schon etwas im Weg stehen. Es geht wohl aber vielmehr darum, den „optimalen Umgang mit den vorhandenen Baugebieten zu ermöglichen“, bzw. das Industrieland wieder direkt an die Hardstrasse anzubinden und eine vorteilhaftere Parzellenform zu erhalten. Der wild gewachsene und etwas willkürlich definierte Waldstreifen ist da einfach im Weg und soll gerodet, bzw. „in den südöstlichen Teil der Parzelle verschoben“ werden. Das schöne daran ist nun, dass man in diesem „neuen“ Gebiet den Wald gar nicht erst aufzuforsten braucht. Die Bäume und Sträucher stehen nämlich schon:

waldverschiebungSie sind im Zonenplan einfach noch nicht als Wald definiert. Real entsteht also kein neuer Wald, sondern es wird legal ein Stück Wald gerodet. In offizieller Sprache nennt man das eben „Waldverschiebung“ bzw.:

Der Wald auf der Parzelle Nr. 324 wird in den südoöstlichen Teil verschoben. Dadurch kann die Parzelle besser genutzt werden und für den gerodeten Wald ist ein Realersatz in der gleichen Gegend gewährleistet.

Da aber auch von einem öffentlichen Erholungsraum in Form einer „ökologischen Ersatzfläache in der Grösse von 4’100 m2“ gesprochen wird, wovon 1’346 m2 nach neuem Zonenplan als Wald gelten sollen, scheint das Ganze eine gute Lösung zu sein. Und wir sind gespannt, was der Kanton BS auf der Parzelle schliesslich ansiedelt. Zur Zeit ist da bloss ein „Musterraum für Erweiterungsprojekt Kunstmuseum“ im Entstehen…

2 responses to this post.

  1. Posted by Hans-Peter Moser on 18.03.2013 at 16:13

    Durch diese Waldumzonung entsteht wertvolles, durch Bahn und Strasse optimal erschlossenes Industrieland. Die Gemeinde sollte bei der Ansiedlung neuer Industriebetriebe die einmalige Chance nutzen und ihr Mitspracherecht einfordern. Eine hohe Wertschöpfung aus diesem Areal muss angestrebt werden.

    Antworten

    • Posted by Anonymous on 18.03.2013 at 17:08

      Und das illegale Entsorgen von Müll wäre wohl endlich erledigt! Es ist einfach schlimm, was gewisse Leute dort einfach so den Hang hintunter geschmissen haben! Ein Plus wäre wohl auch, dass dort ein ganz neues Naturschutzgebiet entstehen könnte, hat ja Birsfelden kaum Grünzonen.

      Also ihr BirsfelderInnen, da gibt nur ein Ja bei der heutigen GVS für diese Wahlverschiebung!

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