Archive for the ‘Attraktive Gemeinde sucht…’ Category

Stilsicher

Die „attraktive Gemeinde“ hat wieder einmal Stellen zu besetzen. Nachdem erst kürzlich der Posten des Abteilungsleiters „Soziales“ freigeworden ist, sucht man offenbar an der Hardstrasse auf den 15. Februar (!) oder nach Vereinbarung eine/n

Nichtrauchende 100%ige Ferienvertretung für die Personalverantwortliche

die nebenbei jeden Vormittag und am Donnerstag Nachmittag – insgesamt also 60% – selbständige Korrespondenz in „stilsicherem Deutsch“ und andere Sachen bearbeiten kann und an „regelmässigen Abendsitzungen“ Protokolle erstellt.

Wenn man die diversen Einschränkungen und Erwartungen im echten Inserat so durchliest, dürfte das Angebot am Arbeitsmarkt momentan ziemlich gut sein. In Deutschland würde man sich mit einem solchen Inserat allerdings beträchtlichen Ärger einhandeln, weil Alterseinschränkungen beispielsweise eine Diskriminierung darstellen. Die Personalabteilung unserer Gemeinde ist da halt weniger stilvoll, dafür in ihrer bestimmten Art sehr stilsicher…

Statt Streife Büro?

Noch Ende des letzten Monats hat der Leiter des Stadtbüros unsere Gemeindeverwaltung nach gut einem Jahr wieder verlassen. Nachdem so kurze Anstellungsverhältnisse an der Hardstrasse durchaus in Mode gekommen sind, dürften sich einige über den vizepräsiadialen Kommentar in einem September- „Birsfälderli“ zum Thema „Kaderschmiede Gemeindeverwaltung Birsfelden“ gewundert haben, wo unter anderem darüber sinniert wird, dass Stellenwechsel heute leider völlig normal sind:

Heutzutage muss man akzeptieren, dass Stellenwechsel zu einer normalen Berufsbiografie dazugehören. Es ist eher die Ausnahme, wenn Mitarbeitende mehrere Jahrzehnte beim selben Arbeitgeber bleiben.

Mit dem Arbeitsklima an der Hardstrasse hat es aber ganz bestimmt nichts zu tun. Das müssen die Ewiggestrigen heutzutage wohl auch endlich mal akzeptieren 😉

Auf dem noch warmen Stuhl im Stadtbüro hat bereits jemand Platz genommen. Dies aber nur provisorisch bzw. „a.i.“. Und weil man wohl lieber jemanden mit „a.i.-Erfahrung“ hat als eine Person, die sich mit dem Stadtbüro-Business auskennt, darf der Sicherheitschef Herr Stroh diese Aufgabe übernehmen. Es wäre ja völlig falsch gewesen, dort die ehemalige Abteilungsleiterin der Einwohnerdienste zu installieren…

Erfolgsgarantie

Ein bisschen hatten wir gehofft: Je länger die Suche nach dem neuen Gemeindeverwalter dauerte, umso grösser wurde die Chance darauf, dass die Dienstleistung des Headhunterbüros gratis sein würde. Und das wären immerhin ca. 1/3 – 1/4 des ersten Jahreslohnes gewesen. Doch kurz vor Ablauf der dreimonatigen Frist dieser sogenannten Erfolgsgarantie (siehe hier) hat es dann doch noch geklappt: Die Birsfelder Homepage vermeldet heute:

Neuer Gemeindeverwalter ist gewählt

Martin Schürmann ist neuer Gemeindeverwalter von Birsfelden

Doch das „Präsens“ in dieser Formulierung ist etwas gar voreilig. Zwar wurde Herr Schürmann bereits am 22. November gewählt, doch seinen Stellenantritt hat er erst am 1. Juni 2012. So wäre „Martin Schürmann wird neuer Gemeindeverwalter von Birsfelden“ wohl etwas ehrlicher gewesen.

Nun denn: Es ist toll, dass man für den heissen Stuhl jemanden gefunden hat. Wie schon die Stellenbeschreibung vermuten liess, hat man nun also keinen Juristen, sondern einen Ökonomen an Land gezogen. Erfahrung soll er vor allem in den Bereichen Umweltmanagement sowie Projekt- und Abteilungsleitung in Banken und Versicherungen haben. Die öffentliche Verwaltung, also „Public Management“ wird für ihn deshalb ein neues Kapitel.

Gespannt dürfen wir auch auf das neue Organigramm sein. Da niemand mit juristischem Hintergrund auf der Verwaltung arbeitet, müsste man eigentlich dafür eine neue Stelle schaffen oder diese Dienstleistung wie in der jetzigen „Übergangszeit“ teuer einkaufen. Dafür könnte die sogenannte Personalfachfrau ihre Position als Personalverantwortliche wieder abgeben. Darüber dürften sich viele freuen.

Der ehemalige Gemeindeverwalter hatte vor seiner spektakulären Freistellung neben dem Verwaltungsauftrag auch noch die Leitung der Bauverwaltung inne. Wir dürfen gespannt sein, ob der Neue auch mit solchen unnötigen Zusatzaufträgen überhäuft wird. Irgend etwas Zusätzliches darf man ihm ja aufbrummen, wenn er schon die Paragraphenschlacht nicht machen kann/darf. Nur so als Idee: Wie wäre es mit „50% Leben in Birsfelden“? Mit Lebensversicherungen kennt er sich ja aus…

Auf jeden Fall wünschen wir Herrn Schürmann viel Glück und Erfolg. Je nach Wahlausgang muss er sich nur während einem Monat mit dem unfähigen Gemeinderat bzw. -präsident herumschlagen.

Attraktive Gemeinde sucht… Teil 4

9/11 jährt sich am Sonntag zum zehnten Mal und in praktisch allen Medien erinnern uns die bekannten Bilder der brennenden Zwillingstürme an jenen geschichtsträchtigen Tag und seine Auswirkungen. Das Thema scheint auch nach einer Dekade noch nichts an Aktualität eingebüsst zu haben.

Unser Bild heute ist gar ein Stück älter und stammt aus dem Jahre 1989. Und spannenderweise ist auch dieses Bild aktueller denn je. Doch sehen Sie selbst:

Passt es nicht hervorragend zum Stellenbeschrieb?

Die Zeichnung von „Rojé“ wurde im April 1989 im „Birsfelder Anzeiger“ abgedruckt. Anlass damals war die Wahl von Gemeindeverwalter Kuhn zum „ersten Ombudsmann des Kantons BL“. Damit war der Posten des Verwalters wieder neu zu besetzen. Die Suche nach einem/r geeigneten Nachfolger/in war wohl nicht einfach, aber Walter „Indiana Jones“ Ziltener hat es dann doch über zwanzig Jahre auf dem Stuhl ausgehalten. Ob nun der Anfang oder der Schluss abenteuerlicher war, wissen wir zwar nicht, doch wir tippen eher auf den Schluss…

Attraktive Gemeinde sucht… Teil 3

Heute möchten wir eine alternative Version der Ausschreibung für die Stelle des/r neuen Gemeindeverwalter/in veröffentlichen. Wir sichern uns aber vorsichtshalber einmal ab und deklarieren diesen Beitrag klar und deutlich als Satire, nicht dass sich noch jemand auf die unten ausgeschriebene Stelle bewirbt. Das korrekte Inserat findet sich hier.

In unmittelbarer Nähe zu Basel liegt die „Hafenstadt“ Birsfelden, eine baselbieter Gemeinde mit herausfordender Bevölkerungsstruktur. Nach diversen Reorganisationen, Querelen und Machtkämpfen sucht ein Headhunter-Büro nun eine/n neue/n

Gemeindeverwalter/in,

welche/r der politischen Linie einer Gemeinderatsmehrheit entspricht.

In den streng nach Leitbild organisierten Strukturen übernehmen Sie die Führung der rund 100 Verwaltungsangestellten und dienen als Bindeglied zwischen politischen Behörden und Mitarbeitenden. Für den Gemeinderat bereiten Sie Geschäfte und Sitzungen so vor, dass Sie auch verantwortlich gemacht werden können, falls etwas einmal nicht korrekt ablaufen sollte. Daneben übernehmen Sie die Protokollführung, die Umsetzung von unpopulären Beschlüssen und unterstützen den juristisch unerfahrenen Gemeindepräsidenten an den Gemeindeversammlungen. Auch gegenüber der Öffentlichkeit und den Medien fördern Sie aktiv und nachhaltig das Ansehen und die Attraktivität des Gemeinderats.

Für diese anspruchsvolle und zermürbende Führungsposition im Fokus der Öffentlichkeit verfügen Sie über eine fundierte höhere Ausbildung in einer juristischen Fachrichtung. Daneben bringen Sie idealerweise einen breiten Rücken ohne Rückgrat und ein erhöhtes Mass an Anpassungsfähigkeit mit, denn das politische Umfeld kann durch dynamische Prozesse in kurzer Zeit grossen personellen Veränderungen ausgesetzt sein. Erfahrungen in Organisationsentwicklung und der damit verbundenen Personalfluktuationen sind von Vorteil. Der heisse Stuhl freut sich auf Ihre Bewerbung!

 

Satire Ende.

Attraktive Gemeinde sucht… Teil 2

Man hat sich also dafür entschieden, den/die neue/n Gemeindeverwalter/in von einem externen „Headhunter“-Büro suchen zu lassen. Für wichtige Positionen und weniger erfahrene Personalabteilungen ist dies sicher ein gangbarer Weg, auch wenn solche „Executive Search-Agenturen“ rund einen Drittel des Jahresgehalts des zukünftigen Stelleninhabers kosten. Das zahlt natürlich nicht der Stelleninhaber, sondern die Gemeinde zusätzlich. Und so hoffen wir, dass die „MPB Executive Search“ unserer Gemeinde eine Person empfehlen kann, die es auch längerfristig auf dem neuen Leiterposten aushält.

Der MPB-Slogan

Das verstehen wir unter erfolgreichem Executive Search: Internationales Recruitment auf höchstem Niveau durch erfahrene Headhunter.

zeigt, dass die Firma eigentlich mehr bietet, als unsere attraktive Gemeinde benötigt. So wurde die Stelle ja ganz normal ausgeschrieben. Ob trotzdem sogenannte „Direktansprachen“ durch Headhunter gemacht werden, wissen wir nicht. Aber auch so kann die Erfahrung der Firma von Vorteil sein.

Wir versuchen hier einmal aufzulisten, was laut MPB ihre Vorzüge sind:

  1. „Vom umfassenden Briefing über den professionellen Research und die kompetente Direktansprache führen wir die Suche und Evaluation über selektionierende Interviews zum erfolgreichen Abschluss. […] Zu unseren Aufgaben als unabhängige Headhunter gehört, Sie von allen Rekrutierungsaufgaben zu entlasten. Dank unserem professionellem Executive Search können Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren.“ Also lieber Gemeinderat: Weiter aufs Kerngeschäft konzentrieren!
  2. „Eine teure Fehlbesetzung, das wünscht sich niemand. Deshalb führen wir Assessments durch. Assessments, die ihren Namen – «to assess», englisch für «beobachten, beurteilen» – auch wirklich verdienen.“ Schade, gibt es diese Assessments nicht bei Politikern. So könnten wir teure Fehlbesetzungen vielleicht auch verhindern.
  3. „Team-Spirit. Auftraggebern versprechen wir, Mitarbeitende zu finden, die perfekt in ihr Team passen.“ In welches? Das politische oder das Verwaltungs-Team?
  4. „Unsere Aufgabe ist es, aktiv und engagiert in einem definierten Markt, lokal, national oder global, nach geeigneten Kandidaten zu suchen – und sie auch zu finden. Und weil wir so viel Erfolg damit haben, geben wir unseren Kunden gerne eine Erfolgsgarantie: In der Regel dauert ein Suchauftrag rund drei Monate von der Mandatserteilung bis zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrags. Doch unsere Garantie geht noch weiter: Jeder Auftraggeber erhält im Voraus, abgestimmt auf den Schwierigkeitsgrad der Rekrutierung, eine klar kalkulierte Offerte. Mit fixem Erfolgshonorar.“ Umfasst die Garantie nun, jemanden in drei Monaten zu finden oder ist der Erfolg auch von der Länge des Anstellungsverhältnisses abhängig? Das wäre interessant… Auf jeden Fall: Viel Erfolg!

Attraktive Gemeinde sucht…Teil 1

Im Stellenanzeiger ist kürzlich ein spannendes Inserat aufgetaucht. Es gibt da nämlich „eine attraktive Gemeinde im Kanton Baselland“ und die…

…ist mit Naherholungsgebiet, verkehrstechnisch günstiger Lage, kurzen Wegen nach Basel und schönen Wohnlagen ein beliebter Wohn- und Arbeitsort mit rund 10’000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Haben Sie die Gemeinde erkannt? Auf jeden Fall suchen Headhunter nun für diese malerische Gemeinde eine/n Leiter/in Gemeindeverwaltung, um „den Dienstleistungsgedanken in der Gemeindeverwaltung weiterzuführen“. Die „führungsstarke, proaktive und sozialkompetente Persönlichkeit“ darf unter anderem die Verwaltung nach NPM-Normen „formen“ und hat auch für die üblichen Aufgaben „viel Gestaltungsspielraum“ (für mehr Details: das gesamte Inserat gibt es hier).

Offenbar hat auch der Gemeinderat seinen „Gestaltungsspielraum“ einmal mehr ausgenutzt. Wir erinnern uns (und auch den Gemeinderat) gerne daran, dass man bei der nicht ganz günstigen Organisationsentwicklung den Gemeindeverwalter auch noch zum Bauchef der Gemeinde gemacht hat. Dies geschah auf Kosten des bisherigen Abteilungsleiters und es war nie ganz klar, weshalb der Gemeindeverwalter auch Bauverwalter sein sollte.

Jetzt, also gute zwei Jahre später, ist die nachhaltige Restrukturierung also einmal mehr abgeändert worden und die beiden Aufgaben sind wieder getrennt. Man wird den Verdacht nicht los, dass da mehr dahinter steckt. Doch unsere Hauptfrage heute heisst: Wer ist denn nun Bauverwalter? Und auf welcher Stufe wird diese Position entlöhnt?

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