Archive for the ‘Hexenjagd’ Category

Historisch

Das Medienecho am Tag eins nach der historischen Wahl ist zwar recht gross, fördert aber nicht viel Erhellendes zu Tage, ausser vielleicht einem Begriff aus dem altgriechischen Kriegsvokabular, welches wir dank der tiefgründigen Analyse des unterlegenen Historikers in unseren Wortschatz aufnehmen können:

«Ich bin nicht am Boden zerstört. Ich wusste ja, dass ich gegen die Phalanx meiner Gegner nicht viel machen konnte.»

Schon gemein, wenn neben den meisten Parteien auch noch die Hopliten plötzlich und ganz unerwartet gegen einen auftreten. Doch eigentlich lag’s ja vielmehr an den „üblen Gerüchten“:

Den Ausschlag für seine Abwahl gegeben hätten «die vielen Leute, die seit Jahren gegen mich politisieren». Die Vorwürfe, er sorge für Unruhe in der Verwaltung, seien zwar unbegründet. Aber manche hätten solche Gerüchte gestreut. «Und es ist immer das Negative, das haften bleibt.»

Dabei hatte kürzlich sein ebenfalls abgewählter Amtskollege mit blumigen Worten „die Gerüchte“ im „Birsfälderli“ bestätigt und verlauten lassen, dass „der Stall ausgemistet“ sei. Und nach der Abwahl hat auch die Aussage mit den „Entscheidungen zum Wohle der Gemeinde und nicht einzelner Schmarotzer“ eine etwas andere Bedeutung: Das Stimmvolk hat zum Wohle der Gemeinde entschieden und auch mal eine Kündigung ausgesprochen…

Es war die Art zu allen Zeiten,…

…Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten.

Diese Zeit könnte wahrhaftig in den nächsten 24 Stunden in unserer Gemeinde zu Ende gehen. Auf jeden Fall enden wird die Ära des „geschäftsführenden Vizepräsidenten“, der am morgigen Wahlsonntag nach langem Warten durch einen offiziellen Gemeindepräsidenten abgelöst wird. Vorausgesetzt natürlich, es findet niemand einen Grund für eine Beschwerde ;-).

Wir lassen uns dieses Mal nicht mit Rechenspielen auf die Äste heraus, wer das Rennen machen wird. An der Prognose, dass für Hiltmann Junior die Chancen durchaus gut stehen, halten wir allerdings fest. Genauso an der Hoffnung, es möge mit ihm eine Aufwärts-Dynamik entstehen, die die Querelen der vergangenen Jahre in den Hintergrund zu rücken vermag und man zusammen wieder an einem Birsfelden arbeiten kann, wie es die BBO-Crew gestern in ihrem Epilog symbolisch am Blätzbumser Wappen getan hat und in den nächsten 24 Stunden noch zweimal tun wird.

Dieses Szenario wäre uns denn auch weitaus lieber, als das des „Masterplans“ eines bekannten Goldschmieds, der gemäss der Interpretation der vorfasnächtlichen Satiriker seinen wahren Kern zeigt und eine Rückkehr auf kosten seiner Diener vorbereitet. Doch zum Glück können wir auch hier Goethe zitieren:

Welch Schauspiel! aber ach! ein Schauspiel nur!

Briefwechsel

Trotz Wahlkampf war es bei uns die letzten Tage etwas ruhiger. All die Lesendenbriefschreibenden haben sich offenbar in der Dorfzeitung ausgetobt und zuweilen gab es auch einen interessanten Briefwechsel in der „bz“. Besonders auffallend daran ist vor allem die Tatsache, dass sich der Gemeindeverwalter höchstpersönlich vor seinen Chef seine Angestellten stellt und ein paar der äusserst hohen Wellen zu glätten versucht, bevor sie endgültig brechen:

In einem Leserbrief im Birsfelder Anzeiger vom 9.11. sowie einem Artikel der bz vom gleichen Tag ist die Rede von «verängstigten Verwaltungsmitarbeitenden». Dieser Aussage muss ich klar widersprechen. Seit meinem Arbeitsbeginn als Leiter Gemeindeverwaltung konnte ich erleben, dass zwischen den Mitarbeitenden, den Abteilungsleitenden und mir als Leiter Gemeindeverwaltung ein offener, konstruktiver aber durchaus auch kritischer Austausch besteht.

Anderen Mitarbeitenden hat eine öffentliche Äusserung bekanntlich die Stelle gekostet. Aber die waren halt auch nicht so loyal formuliert ;-). Wobei Herr Schürmann im obenstehenden Satz ja erstmal über sich selber und seine Untergebenen schreibt. Der Hund liegt aber bekanntlich wo anders begraben, wie Herr Märki selbstkritisch feststellt:

Natürlich sind alle sieben Mitglieder für die Stimmung im Gemeinderat mitverantwortlich – auch ich. Aber die Führung dieser Behörde hat einen grossen Einfluss. Ich habe in den letzten Jahren erlebt, wie sich die Atmosphäre verschlechtert hat, besonders auch beim Gemeindepersonal. Dort hat sich ein Klima der Einschüchterung und des «Lieber-schweigen-und-nichts-sagen» entwickelt.

Ob er beim angesprochenen Klima auch sich selber meint? Auf jeden Fall gibt es für folgende Kategorie genügend Beispiele:

Vielleicht hängt es mit der Führungshaltung «Wer nicht für mich ist, der/die ist gegen mich» zusammen.

Dies widerspricht auch nicht der Schürmann’schen Aussage:

Auch die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat als ganzes sowie den einzelnen Departementsvorstehenden habe ich bisher als konstruktiv erlebt.

Man muss einfach auf der „richtigen“ Seite stehen! Und das tun mittlerweile wohl die meisten. Die anderen wurden ja einfach… – ach lassen wir das!

Herr Oberbeck ist natürlich gar nicht erfreut über die Angriffe auf seinen Parteikollegen und macht sich ebenfalls sorgen ums Klima:

Diese Angriffe von Jürg Wiedemann sind nicht nur schädlich für die politische Kultur in Birsfelden, sie schaden auch dem Image der Gemeinde(-Verwaltung).

Wäreliwär hat aber während Jahren die Verwaltung schlechtgeredet und mit den sechsjährigen Querelen das Image der Gemeinde nachhaltig zerstört? Und für diese Leistung soll er laut Birsfälderli-Brief „nur gute bis sehr gute Noten“ erhalten haben? Irgend ein bezahlter Experte wird sich schon zu einem solchen Urteil hinreissen lassen, aber uns sind auch ein paar ungenügende Leistungen bekannt.

Mit einem Satz trifft der Verwalter den Nagel allerdings auf den Kopf:

Die Verwaltung soll jedoch nicht zum Spielball der politischen Diskussionen werden. Das ist kontraproduktiv für alle Involvierten und tut den engagierten Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung unrecht.

Der Beweis, dass dies unter der aktuellen Führung nicht möglich ist, wurde mehr facherbracht. Probieren wir doch mal was anderes…

Was macht eigentlich…

Heute: die der FDP-Anfrage-Antrag (ja, wir nennen es weiterhin so!)

Wer jetzt meint, die Partei habe nach 113 (!) Wochen endlich eine befriedigende Antwort bekommen, liegt leider falsch. Doch es hat sich in der Sache etwas getan. Die Partei predigt nämlich nicht nur Eigenverantwortung. Nein, sie nimmt sie auch wahr. Kurzerhand haben die Parteimitglieder als Reaktion auf die wohl billigste Ausrede, seit es Gemeindeversammlungen gibt, einen eigenen Fragebogen kreiert und verschickt:

Wir haben uns daher dazu entschlossen, den seit 2009 aus der Verwaltung ausgeschiedenen Personen einen Fragebogen mit Fragen zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses zuzustellen.

BRAVO! Nach etwas mehr als zwei Jahren also endlich eine vernünftige Reaktion. Und offenbar ist das Schreiben auf offene Ohren und gespitzte Bleistifte gestossen:

Zwei Drittel der Angeschriebenen haben nicht nur die einzelnen Felder ankreuzt, sondern darüber hinaus ihre Erlebnisse beschrieben. Wir publizieren nachfolgend die anonymisierten Ergebnisse.

Und die kann man auf der Seite der FDP – wenn auch auf ein Minimum reduziert – nun nachlesen. Heikel wie das Thema halt ist, kommentiert die Partei die Resultate nicht. Alleine aber die Tatsache, dass 4 von 20 Abgängen (oder jeder fünfte der erfassten Stellenwechsel) „auf Wunsch der Gemeinde“ erfolgte, lässt nichts gutes erahnen. Auch die restlichen Fragen bzw. Antworten werfen kein sehr gutes Licht auf den Arbeitgeber „Gemeindeverwaltung“ und passen nicht so recht zu den „93% Zufriedenheit“ einer anderen Umfrage. Doch die Aussagekraft liegt wohl eher in den vorenthaltenen „Beschreibungen der Erlebnisse“. So dürfen wir uns mit den abschliessenden Feststellungen selber ein Bild malen:

In den Bemerkungen wurde hervorgehoben, dass die Gemeinde Birsfelden grundsätzlich ein guter Arbeitgeber gewesen sei und man gerne hier gearbeitet habe. Einige Personen bedauerten es, dass die Zusammenarbeit mit einzelnen Gemeinderäten von Misstrauen und Angst um den Arbeitsplatz geprägt war und man sich davor fürchtete, kritische Stellungnahmen zu Sachgeschäften abzugeben. Bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses wurde vielfach auf die mangelhafte bis inexistente Kommunikation hingewiesen.

Als Trost bleibt vielleicht dies: So geht der Gemeinderat nicht nur mit den Mitarbeitenden, sondern mit allen kritischen Bürgerinnen und Bürgern um. Deshalb: Jetzt die Umfrage über die gewünschte Zusammensetzung der zukünftigen Dienstagsrunde ausfüllen! Die FDP hat sich einen Platz darauf bereits verdient.

Attraktive Gemeinde sucht…Teil 1

Im Stellenanzeiger ist kürzlich ein spannendes Inserat aufgetaucht. Es gibt da nämlich „eine attraktive Gemeinde im Kanton Baselland“ und die…

…ist mit Naherholungsgebiet, verkehrstechnisch günstiger Lage, kurzen Wegen nach Basel und schönen Wohnlagen ein beliebter Wohn- und Arbeitsort mit rund 10’000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Haben Sie die Gemeinde erkannt? Auf jeden Fall suchen Headhunter nun für diese malerische Gemeinde eine/n Leiter/in Gemeindeverwaltung, um „den Dienstleistungsgedanken in der Gemeindeverwaltung weiterzuführen“. Die „führungsstarke, proaktive und sozialkompetente Persönlichkeit“ darf unter anderem die Verwaltung nach NPM-Normen „formen“ und hat auch für die üblichen Aufgaben „viel Gestaltungsspielraum“ (für mehr Details: das gesamte Inserat gibt es hier).

Offenbar hat auch der Gemeinderat seinen „Gestaltungsspielraum“ einmal mehr ausgenutzt. Wir erinnern uns (und auch den Gemeinderat) gerne daran, dass man bei der nicht ganz günstigen Organisationsentwicklung den Gemeindeverwalter auch noch zum Bauchef der Gemeinde gemacht hat. Dies geschah auf Kosten des bisherigen Abteilungsleiters und es war nie ganz klar, weshalb der Gemeindeverwalter auch Bauverwalter sein sollte.

Jetzt, also gute zwei Jahre später, ist die nachhaltige Restrukturierung also einmal mehr abgeändert worden und die beiden Aufgaben sind wieder getrennt. Man wird den Verdacht nicht los, dass da mehr dahinter steckt. Doch unsere Hauptfrage heute heisst: Wer ist denn nun Bauverwalter? Und auf welcher Stufe wird diese Position entlöhnt?

Platzhalter

Webmaster der offiziellen Gemeindeseite zu sein, ist sicher eine aufwendige Sache. Da muss immer alles auf dem aktuellsten Stand sein. Viel zu tun gab in letzter Zeit vermutlich die Seite mit den Mitarbeitenden. Nicht nur, dass es viele Wechsel bei den Angestellten selbst gab. Nein, auch die Zuständigkeiten und offiziellen Titel änderten oft. So musste mal wieder irgendwo ein „Leiter“ zum „Sachbearbeiter“ degradiert oder ein „a.i.“ hinter die Aufgabe gesetzt werden. Wenn man den Überblick dann mal verliert, kann es schon sein, dass sich unbemerkt etwas einschleicht. In unserem Fall ist es der Mitarbeiter „Peter Muster“, bekannt aus unzähligen Formularvorlagen, wo er stets als Platzhalter dient.

Ob das der neue Gemeindeverwalter ist? Einen Aufgabenbereich hat er jedenfalls noch nicht bekommen. Vielleicht braucht es zuerst halt wieder eine teure Reorganisation, damit Herr Muster optimal eingesetzt werden kann.

Ach ja, zur Zeit sind drei Stellen bei der Gemeinde ausgeschrieben. Allerdings ist keine dabei für einen neuen Gemeindeverwalter. Das wird wahrscheinlich über einen Headhunter erledigt. Bitte diesen Ausgabeposten nicht vergessen bei der Antwort an die SP (siehe SP-Zähler rechts unten) ;-).

Es sind nicht alle unzufrieden

Das mussten wir erstaunt feststellen, als wir die Leserbriefe der heutigen Dorfzeitung durchgegangen sind. Ok, das Erstaunen ist nicht so gross, handelt es sich schliesslich um eine Parteikollegin unseres Präsidenten. Und ausserdem sind unterschiedliche Ansichten auch legitim.

Aber gehen wir die Punkte doch einzeln durch:

  • Dauerwahlkampf der SP: Stimmt, aber alle anderen machen das genauso. Bei der CVP könnte man auch meinen,  die angebliche Diffamierung sei ein Wahlkampfthema.
  • Alle auf einen: Er hat auch den breitesten Rücken und steht gerne im Mittelpunkt. Zudem wurden auch andere Exponenten bzw. das ganze Siebnergremium angegriffen.
  •  Zwischen den Zeilen lesen: Welches Medium hat denn da in die Kristallkugel geschaut, um zu diesem Schluss zu kommen? Die Verwaltung ist wahrscheinlich froh, dass sie überhaupt noch Bewerbungen bekommt. Niemand redet von Flaschen; wir brauchen jeden Freiwilligen!
  • Selber denken: Solange im Gemeinderat es nicht alle tun, müssen wir das weiterhin selber machen.
  • Alt-Gemeindepräsidenten: Ein gewisser Leistungsausweis existiert durchaus, im Gegensatz zu jetzt.
  • Schlechte Vorbilder: Die „Arena“ ist schlimmer.

Der/die Nächste bitte!

In dubio pro reo?

Im grossen Rechtfertigungsinterview im aktuellen Birsfelder Anzeiger werden Fakten auf den Tisch gelegt. Und was für welche, denn nun weiss der „durchschnittliche Einwohner“ endlich:

Ebenso ist es ein bösartiges Gerücht, dass der Gemeindepräsident Leute entlässt. Das ist rechtlich gar nicht möglich!

Das weiss der Gemeinderat natürlich schon länger und deshalb hat man auch den Umweg über die Reorganisation gemacht. Denn damit konnte der Gemeinderat fast beliebig Stellen auf- oder abwerten, auflösen oder neu schaffen. Leider nur fast, denn der Stimmbürger hat glücklicherweise nicht alles geschluckt.

Schön ist auch die Tatsache, dass man nun weiss, was der Gemeinderat die letzten 3 Jahre gemacht hat.

Gemeindepräsi: Vom ersten Mitarbeitergespräch bis zur Kündigung liegen ein paar (Anm: da klein geschrieben mind. 3) Jahre dazwischen…

BA: …dann kann ich daraus schliessen, dass die Freistellung kein „Schnellschuss“ war, wie das oft vermutet worden ist?

Gemeindepräsi: Sie schliessen richtig.

Der Verdacht, dass sehr systematisch und bewusst vorgegangen wurde, wird man also nicht los. Auch nicht nach der Lektüre des Leserbriefes „Verwaltung – Bericht eines Ehemaligen“. Aber da ausser einem Verdacht nichts bewiesen werden kann, gilt ähnlich wie bei Kachelmann: In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Auch wenn man die Geschehnisse auf keinen Fall vergleichen kann und es nie zu einem Strafverfahren kommen wird: Für die Opfer sind solche Freisprüche wohl die schlimmsten.

Randnotiz

In der heutigen BaZ findet man irgendwo ganz am Rand einen kurzen Hinweis auf eine Medienmitteilung der „ja“-Partei. Die SP fordert vom Gemeinderat eine Aufstellung der Kosten,  welche die leicht fluktuative Personalpolitik in den letzten Jahren verursacht hat. Es ist eine weitere berechtigte Frage, welche wie etliche FDP-Vorstösse, Anträge und sonstiges in diese Richtung zielendes vom Gemeinderat einmal mehr unter den Tisch gekehrt werden wird. Dort wird es langsam ziemlich eng. Hätte der Tisch eine Glasplatte,wäre die Sache mit der Transparenz etwas einfacher. Doch leider wehrt man sich und versteckt sich hinter irgend welchen fadenscheinigen Begründungen.

Zum Thema Personalpolitik noch ein interessanter Link: Kununu ist ein Portal, wo man den eigenen (Ex-)Arbeitgeber bewerten kann. Es gibt dort für Birsfelden nur eine Bewertung und deshalb ist das ganze auch nicht repräsentativ, aber dennoch ziemlich aussagekräftig, wenn wir den Kommentar zitieren:

Bei einer öffentlichen Verwaltung ist es leider zu stark davon abhängig, wie sich die gewählten Politiker verhalten. Bei dieser Gemeinde scheint es, bis auf eine Ausnahme, dass die Gemeinderäte das Gefühl kleine Könige zu sein. Sie übergehen Meinungen von Fachleuten und geben dem Personal das Gefühl überflüssig, faul und überhaupt überzahlt zu sein. Obwohl sie sich nicht die Mühe machen in die Abteilung zu kommen und sich über das Arbeitsvolumen und den Arbeitsinhalt zu informieren. Schade! Meinungsäusserungen werden als persönliche Angriffe ausgelegt. Die Haltung ist „Ich bin der Chef“In der Abteilung ist ein gutes Team, das sich respektiert und auch sich privat miteinander trifft.

Zusammen mit den Kommentaren von Mitarbeitern, die den bz-Artikel kommentiert haben, ergibt das irgendwie ein immer schlechteres Bild, oder nicht? Dem gegenüber steht nur die interne Mitarbeiterbefragung mit einer sowjetisch anmutenden über 90%igen Zufriedenheit. Welche Fragen wurden denn dort gestellt? Schmeckt Ihnen der Pausenkaffee?

Timing

Dank Redaktionsschluss Montag 8 Uhr und einer 10-tägigen Schweigepflicht konnte der Birsfelder Anzeiger diese Woche leider noch nichts vernünftiges zur Freistellung des Gemeindeverwalters beitragen. Dafür übertrifft der Umfang von Leserbriefen die redaktionelle Eigenleistung (also selber geschriebene Berichte der Redaktion) um einiges.

Interessant sind eigentlich alle, doch besonders spannend sind die Stellungnahme der FDP sowie der Beitrag von Sara Fritz (EVP).  Beide beziehen sich auf das an der letzten Gemeindeversammlung verabschiedete Reglement der Gemeindekommission. Da ist ja urplötzlich von einer Gemeindeversammlung auf die nächste ein Absatz verschwunden:

Die Gemeindekommission bestätigt die Anstellung und Kündigung des Gemeindeverwalters.

In der Vorlage im Dezember war dieser Satz noch drin, im April dann plötzlich nicht mehr. Ohne Hinweis auf Änderung, versteht sich. Alt-Landrat und Alt-Kommissionsmitglied Rudin hat sich etwas gewundert und wollte die Gründe wissen, doch leider konnte ihm niemand so richtig Auskunft geben. Oder vielleicht wollte auch niemand. Auf jeden Fall nahm man den Absatz dann wieder rein und das Reglement wartet nun auf Genehmigung von oben, bis es in Kraft treten kann. Zu spät für den kürzlich gefällten Entscheid des Gemeinderats.

Hätte man an der Monstergemeindeversammlung im Dezember dieses Geschäft bereits behandeln können, sähe es heute wahrscheinlich etwas anders aus. Vielleicht müssen sich aber auch Kommissionsmitglieder wie Frau Fritz ein wenig an der Nase nehmen. So wie die Sache abgelaufen ist, sieht es halt schon ein wenig nach bewusster Verzögerung und Vertuschung aus. Oder sollen wir es gutes Timing nennen?

Hexenjagd erfolgreich?

Es war von Peter Meschberger in seinem bz-Online Kommentar ja bereits angekündigt worden:

Dass auch noch SP-GemeinderätInnen dieses Vorgehen stützen oder zumindest dulden, ist vom gewerkschaftlichen und SP-Standpunkt her absolut nicht vertretbar und muss Folgen haben.

Nun hat sich in dieser Hinsicht auch etwas getan: GR Brigitte Bardot Schafroth verlässt die SP Birsfelden per sofort. In der „ja“-Partei haben sie ihr offenbar endlich mal die Meinung gesagt. Aus Trotz bleibt sie aber in der SP-Baselland und – viel schlimmer – in der gemütlichen Dienstagsrunde des Gemeinderats. Dort hat sie ja noch viele liebe Kollegen und Kolleginnen, die mit ihr einer Meinung sind. Die Ausgangslage für die Wahlen 2012 ist mit diesem Eklat nun sicher ein wenig spannender.

 

update

Spontane Idee für parteiverstossene Gemeinderätinnen/-räte: Gibt es eigentlich die SVB (Schweizer Bürger Birsfelden) noch? Würde evtl. auch besser zum Gedankengut passen 😉

Eine einseitige Sache

Dass die Artikel in der bz zur Affäre Ziltener auf einer Seite Platz haben, ist sicher keine besondere Leistung. Bemerkenswert sind aber die vielen Kommentare, die mittlerweile darunterstehen und auf keiner Kuhhaut mehr Platz finden würden. Trotzdem sind sie in einer gewissen Weise etwas einseitig, denn der Gemeinderat bekommt wenig Zuspruch (ausser vielleicht von sich selber).

Angesichts der dort abgedruckten Tatsachen fragt sich der kritische Leser schon, ob nicht vielleicht doch ein Fünklein Wahrheit an den Mobbingvorwürfen dran ist. Sogar der Muttenzer Ex-Verwalter Urs Girod meint:

Auch von jenseits des Hardwaldes betrachtet ist es offensichtlich,dass Botti und Zufferey mit Billigung der anderen gemeinderätlichen Allesschlucker eine systematische Säuberung praktizieren.

Nach einigen sehr spitz formulierten Gedanken, folgt dann auch noch eine gute Beschreibung zu den eigentlichen Aufgaben des Gemeinderats:

Das Kerngeschäft des Gemeinderates ist die Bewältigung strategischer Aufgaben. Es kann nicht gut gehen, wenn er sich stattdessen beharrlich in die operativen Geschäfte der Verwaltung einmischt.

Und genau im Kerngeschäft hapert es, sagt unter anderem Petra Meier:

Was ist eigentlich der Leistungsausweis des neuen Gemeinderates seit der Aera Botti? 26 „plausible??“ Entlassungen und Mobbing mit Ihren schlimmen Folgen in der Verwaltung und absurde Sparübungen die selbst nur Geld Kosten unter dem Deckmantel Umstrukturierung und Leistungsüberprüfung.

Haben diese Ausschnitte Sie gluschtig gemacht, mehr zu erfahren? Dann rasch zur bz und ihren beiden Artikeln zum Thema. Klick 1, Klick 2. Die grosse Schwester BaZ – die Zeitung, die alle Meinungen abdeckt – hat leider eine etwas dürftige Berichterstattung zum Thema. Eine einseitige Sache halt.

Nobody expects the Spanish Inquisition

Der Artikel über den „Entlassungskönig“ in der scheinbar an Bulimie leidenden BaZ hatte auch ein paar spannende Punkte drin. So findet Botti, dass auf den Gemeinderat – im speziellen auf ihn – eine Hexenjagd eröffnet wurde.

Tja, niemand erwartet die spanische Inquisition. Und genaugenommen hatte die spanische Inquisition auch gar nichts mit Hexenjagd zu tun. Trotzdem lohnt sich der aber Sketch immer und immer wieder.

Um auf den Artikel bzw. Bottis Aussage zurückzukommen: Man kann nicht ernsthaft erwarten, dass man als Präsident schalten und walten kann, wie es einem gerade so passt, ohne dass Auffälligkeiten kommentiert werden. 30 Kündigungen und Entlassungen in 3 Jahren sind auffällig. So ist es wenig verwunderlich, dass der „Entlassungskönig“ nicht mehr mit Samthandschuhen angefasst wird. Vielleicht passt hier auch noch folgendes Sprichwort: „Wie man in den (Hexen-)Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus“. Oder vielleicht besser „Retourkutschen verkehren meist Planmässig“…

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